Häufige Fragen zur Psychoanalyse

Frequently asked questions - FAQ -

Häufig gestellte Fragen zur Psychoanalyse

Der nachfolgende Text ist entstanden aus den Fragen, die sowohl Studierende als auch Patienten immer wieder gestellt haben. Das Interesse an der Psychoanalyse ist größer, als uns die gängige Meinung in den Medien nahelegen will. Menschen in Not suchen fundierte Hilfe, und die Psychoanalyse ist eine Behandlungsform, die diese Hilfe bieten kann. Die Antworten sind grundsätzlich so kurz wie möglich gehalten. Einige jedoch sind an anderer Stelle etwas umfangreicher ausgeführt. Dazu klicken Sie bitte auf den entsprechenden Link.

Vielleicht finden Sie in diesen Ausführungen Antworten auf Ihre Fragen. Wenn nicht, schreiben Sie mir.

Dr.med. Klaus Röckerath

Leiter der Psychoanalytischen Arbeitsgemeinschaft Köln-Düsseldorf e.V.

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FAQ - Häufige Fragen zur Psychoanalyse

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Wie funktioniert PsA?

Dies ist natürlich nicht so einfach zu beantworten. Eine gute Beschreibung findet sich im „Kleinen Wörterbuch der Psychoanalyse“ von Thomas Auchter und Laura Viviana Strauss, das auszugsweise auf dieser website zu finden ist.

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Wieso brauchen Behandlungen eigentlich so lange Zeit?

Die Dauer von Behandlungen hängt von vielen Faktoren ab. Je nach vorliegender Problematik wird die Indikation für das anzuwendende Verfahren gestellt. Wenn es sich z.B. um eine akute Krisensituation handelt, und wenn es sonst keine weiter reichenden Störungen gibt, bietet sich. eine Kurzzeittherapie (KZT) an. Die Krankenkassen haben dafür 25 Sitzungen vorgesehen. Wenn diese einmal pro Woche stattfinden, kann man sich leicht ausrechnen, dass die KZT ein halbes Jahr nicht übersteigt. Die KZT kann in manchen Fällen auch als Überbrückung bis zum Beginn einer umfangreicheren Therapie dienen. Bei tiefer greifenden Störungen, wenn es sich also z.B. um immer wieder auftretende Konfliktsituationen handelt, kann eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TfP) angezeigt sein. Hierfür halten die Krankenkassen bis zu 100 Sitzungen vor. Die Frequenz kann hierbei variieren, zwischen ein- bis zweimal pro Woche. Bei noch grundlegenderen Störungen, die u.U. ein Leben in eine tiefe Krise gestürzt haben, bietet sich die analytische Psychotherapie (AP) an. Hier umfasst der gängige Versicherungsschutz 240 Sitzungen, in Ausnahmefällen bis zu 300. Die Frequenz liegt in der Regel bei drei Sitzungen pro Woche.

Alle diese Verfahren sind von der Psychoanalyse abgeleitet und beruhen auf den durch sie entwickelten Konzepten des Seelenlebens.

Die Psychoanalyse geht davon aus, dass das psychische Leben aus gewissen Strukturen besteht, die oft in Konflikt miteinander stehen (Ich – Es - Über-Ich). Bewusste und unbewusste Prozesse steuern die Dynamik des seelischen Lebens. So können manchmal z.B. die „äußere“ Realität und die psychische Realität (auf Grund bewusster oder unbewusster Wünsche, Phantasien, Idealen, Urteilen etc.) nicht gut miteinander auskommen. Das kann zur Entstehung von psychischen Symptomen führen. Auch die Auswirkungen traumatischer Erfahrungen können das psychische Leben prägen und zu Symptomen führen, wie z.B. isolierten oder diffusen Ängsten, Depressionen oder aggressivem Verhalten.

Die psychoanalytische Methode ist ein Verfahren, das psychische Veränderungen durch einen rekonstruierenden oder konstruierenden Zugang zu unbewussten Prozessen ermöglicht. Dabei wird grundsätzlich angenommen, dass die Aufarbeitung der Konflikte im Dialog mit einem anderem, dem Therapeuten, diesen Zugang ermöglicht. D.h., dass im Gespräch nach den Hintergründen der Problematik im Hier und Jetzt des Erlebens von Patient und Analytiker gesucht wird, und über das allmähliche Verstehen psychischer Zustände kann sich die Fähigkeit des Selbst entwickeln, mit inneren Konflikten umzugehen (Ich-Stärke), so dass sich Symptomlösungen erübrigen.

Heute weiß man, dass die Auseinandersetzung, die im geschützten Raum der psychoanalytischen Sitzungen stattfindet und die Resonanz, geprägt von der psychoanalytischen Haltung des Therapeuten, fast genauso entscheidend für die Entwicklung sind wie die inhaltliche Durchdringung. Die Entwicklung der psychoanalytischen Beziehung als Voraussetzung für die Untersuchung psychischer Phänomene lässt sich nur aus eigener Erfahrung nachvollziehen. Erfahrungen brauchen Zeit. Behandlungen brauchen also auch Zeit

Wer sich entscheidet, sich auf eine Psychoanalyse einzulassen, muss mit einem langen Prozess rechnen. Eine Problematik, die weite Lebensbereiche umfasst und beeinträchtigt, kann oft die treibende Motivation für einen solchen Prozess darstellen.

Dies können Angststörungen, Depressionen, Zwangsstörungen, Borderline-Persönlichkeitsstörungen, narzisstische Störungen oder das Spektrum der histrionischen Persönlichkeiten sein, um nur einige zu nennen. Aus dem vorher gesagten lässt sich leicht einsehen, dass es hier nicht mit einigen Sitzungen getan ist. Psychoanalyse betrifft das ganze Lebenskonzept; sie findet hochfrequent, d.h. mit vier (in manchen Fällen auch drei) Sitzungen pro Woche statt und dauert in der Regel Jahre. Ein durchschnittliches Maß sind etwa vier bis sechs Jahre.

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Ist es nicht belastend, jemanden so lange Zeit 4 Stunden pro Woche zu sehen?

Psychoanalyse beruht auf einem Dialog zwischen Analysand und Analytiker. Um sich wirklich auf einen anderen Menschen einlassen zu können, muss man sorgfältig prüfen, mit wem man einen solchen Dialog aufbauen kann und mit wem nicht. Nicht jeder Analysand liegt jedem Analytiker und umgekehrt. Deshalb gibt es bei jeder Therapieform, die auf der Psychoanalyse aufbaut, die sog. probatorischen Sitzungen, in denen beide Beteiligten feststellen können, wie gut oder weniger gut der Austausch von statten gehen kann. 

Diese Sitzungen sind unbedingt notwendig, da, wie man sich leicht vorstellen kann, es im Laufe der Zeit zu heftigen Reaktionen - auf beiden Seiten - kommen kann. Ist das geklärt, kann eine langanhaltende Beziehung begonnen werden, in der zwischen beiden über die Zeit eine intensive und vertraute Bezogenheit aufeinander entsteht. Dies kann natürlich belastende Momente haben, denn das Leiden, das zur Entwicklung von Symptomen geführt hat, wird in dem psychoanalytischen Prozess gebündelt und transformiert; aber wenn man Interesse an Menschen hat, sind die regelmäßigen Begegnungen für beide eine Bereicherung.

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Wie wichtig ist Ihnen die Diagnosefindung?

Diagnosen sind ein wichtiges Kriterium im Sinne einer effizienten Kommunikation unter Fachleuten. Sie sind in der Organmedizin sinnvoll und notwendig, um sich schnell über ein Krankheitsbild und den Zustand des Patienten orientieren zu können. Innerhalb der Somatik ist das in den meisten Fällen auch zufriedenstellend zu bewerkstelligen. Im psychischen Bereich ist das komplizierter. Menschen bestehen eben aus mehr als Organsystemen, und der psychische Apparat ist einer der kompliziertesten. Trotzdem hat es sich bewährt, auch hier tendenziell Diagnosegruppen zu erstellen, um eine Richtung angeben zu können. Also finden sich hier die Gruppe der Neurosen (Zwangsneurosen, Hysterien, Angstneurosen), der Psychosen und der Borderline-Persönlichkeiten, um nur einige zu nennen. Systematisiert sind diese Störungen im ICD 10 (eine internationale Klassifizierung von Krankheitsbildern) zu finden. Für die Behandlung spielen sie aber weniger eine Rolle. Dies deshalb, weil, wie an anderer Stelle beschrieben, die therapeutische Beziehung im Vordergrund steht, nicht die Diagnose.

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Was sind die häufigsten Diagnosen bei Ihnen?

Das ist schwer zu sagen, weil wahrscheinlich jeder Analytiker in dieser Hinsicht unterschiedliche Erfahrungen macht. Vielleicht kann man sagen, dass Beziehungsstörungen, Angsterkrankungen und vor allem Depressionen einen großen Anteil haben. Weniger oft finden sich Zwangserkrankungen und umschriebene Phobien.

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Sie sind Analytiker, also arbeiten Sie nicht tiefenpsychologisch fundiert, oder?

Alle psychotherapeutischen Verfahren, die ihrer Theorie eine Metapsychologie zugrunde legen, stammen von der Psychoanalyse ab. Das gilt für die analytische Psychotherapie, für die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und auch für die Gesprächspsychotherapie. Psychoanalytiker arbeiten also sehr wohl auch tiefenpsychologisch fundiert. Gerade das letztere Verfahren ist ein besonders schwieriges, da es einer großen Erfahrung und einer guten Schulung bedarf, um einem Patienten mit einer Therapiestunde in der Woche gerecht werden zu können.

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Braucht man nicht eine besondere Struktur, um sich auf die Couch zu legen?

Das Liegen auf der Couch erleichtert im Allgemeinen den ruhigen Zugang zu den Einfällen und Gedanken. Insofern kann man sagen, dass in verwirrten oder emotional aufgewühlten Zuständen die psychoanalytische Methode schwer bis gar nicht anzuwenden ist: ob ein Mensch sich auf die Couch legen kann oder nicht, hängt also auch von seiner augenblicklichen bzw. überwiegend vorherrschenden Verfassung ab. Doch Psychoanalyse ist nicht an die Couch gebunden. Heutzutage hat sich das Augenmerk mehr und mehr auf die Beziehung zwischen Analysand und Analytiker gerichtet. Auch aufgeregte oder verwirrte Menschen kommunizieren etwas. Sie mögen nicht in der Lage sein, sich ruhig hinzulegen oder kohärent zu berichten - aber so lange sie einer Kommunikation mit einem anderen zugänglich sind, kann man mit ihnen sprechen. In diesem Dialog kann sich auch Psychoanalyse entfalten, und, nachdem eine Beruhigung stattgefunden hat, kommt auch die Couch wieder zu ihrem Recht.

Sigmund Freud entwickelte die Psychoanalyse aus der zu seiner Zeit gängigen Methode der Hypnose oder Hypnotherapie. Sie ging davon aus, dass der Patient in einem tranceähnlichen Zustand dem ärztlichen Dialog gegenüber entspannter sein würde und empfänglicher für - wie damals üblich- Suggestionen, mit denen man hoffte, die seltsamen Symptome, welche die Patienten zeigten, kurieren zu können. Freud erkannte aber bald, dass Suggestionen kein probates Mittel waren, um dauerhafte Erfolge erzielen zu können. Er wandte sich vielmehr den unbewussten Inhalten zu, in denen er die eigentliche Ursache der neurotischen Symptome vermutete. Dabei stellte er fest, dass er diesen unbewussten Inhalten nicht direkt auf die Spur kommen konnte. Vielmehr fand er heraus, dass er Umwege machen musste - unbewusste, verdrängte Inhalte erschlossen sich eher über die sog. „Abkömmlinge“, d.h. versteckte Hinweise in den Einfällen des Patienten, wenn dieser erzählte: Die Methode der „freien Assoziation“ war geboren. Die Einfälle stellen sozusagen „Metaphern“ für etwas dar, das dem Patienten nicht bewusst ist. Er „erzählt“ in gewisser Weise über sein Problem, ohne sich dessen bewusst zu sein. Die Zusammenhänge ergeben sich aber aus dem gesamten Kontext der Erzählungen. Diese Zugangsweise hat sich grundsätzlich bis heute erhalten.

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Es soll wirklich so etwas wie analytische Psychosentherapie geben?

Freud unterschied zwischen den neurotischen Erkrankungen und den sog. narzisstischen Neurosen, wozu er auch die Psychosen rechnete. Dank der Forschungsarbeit vor allem angloamerikanischer Psychoanalytiker verstehen wir heute psychische Erkrankungen mehr als ein Spektrum unterschiedlicher psychischer Zustände, deren Entstehung und Verlauf in psychoanalytischen Konzepten gut beschrieben werden kann. Auch psychotische Erkrankungen fallen darunter. Die Psychoanalyse geht sogar davon aus, dass wir alle einen sog. "psychotischen Kern" besitzen, einen Bereich der Persönlichkeit, wo rein primärprozesshafte Zustände herrschen wie sie uns etwa im Traum begegnen. 

In der Tat gibt es von neurowissenschaftlicher Seite inzwischen viele Belege dafür, dass Traum und Psychose - zumindest, was die Hirnaktivität angeht - nahe verwandt sind. Insofern bewegen sich Psychoanalytiker bei der Psychosentherapie nicht auf unbekanntem Gebiet, wenn auch die Technik sicherlich vom üblichen Setting variiert. Es gibt inzwischen viele Fallberichte aus der analytischen Behandlung von Psychotikern. Nebenbei sei bemerkt, dass auch autistische Störungen heutzutage Eingang in psychoanalytische Praxen finden - ein Umstand, den Freud zu seiner Zeit sicher nicht für möglich gehalten hätte.

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Wozu das Setting mit der Couch und wieso bei bestimmten (und welchen) Patienten keine Couch?

Aus den vorigen Antworten geht hervor, dass die Couch nicht grundsätzlich notwendiger Bestandteil der psychoanalytischen Therapie sein  muss. In bestimmten emotional exaltierten Zuständen kann es für einen Menschen unmöglich sein, sich seinen Einfällen, ruhig auf der Couch liegend, zu überlassen. In den meisten anderen Verfassungen hat die Couch aber den Vorteil, dass Analysand und Analytiker aus der üblichen Konversationssituation herausgenommen sind. Sie können sich ganz dem Fluss der Gedanken hingeben, der "freien Assoziation" auf Seiten des Analysanden und der "gleichschwebenden Aufmerksamkeit" auf Seiten des Analytikers. Dieses "Setting" hat den ungemein wichtigen Vorteil das beide Beteiligten sich mehr auf ihr inneres Erleben konzentrieren können. 

Das gesprochene Wort ruft in beiden Gedanken und Gefühle hervor, die in der augenblicklichen Situation von Bedeutung sind: nach psychoanalytischem Verständnis bilden sich im „Hier und Jetzt“ zwischen Analytiker und Analysand vergangene Beziehungsmuster ab, die sich dem Patienten auf Grund seiner Geschichte eingeprägt haben: er leidet an seinen Erinnerungen, d.h., er projiziert nicht verarbeitete Anteile seiner Geschichte auf die augenblickliche Situation. Man könnte auch von einer neurotischen Wahrnehmungsverzerrung sprechen. Einsicht in diese Zusammenhänge kann dem Patienten dabei helfen, sich aus diesen Verstrickungen zu befreien. Dabei kommt der Beziehung zum Analytiker die vordringlichste Bedeutung zu. Denn naturgemäß werden sich die Konflikte des Patienten darin wiederfinden: Man spricht von der „Übertragung“ des Patienten auf den Psychoanalytiker. Natürlich reagiert der Psychoanalytiker darauf - schließlich wird ihm quasi etwas „unterstellt“, was nicht der Fall ist. Die Durcharbeitung dieser Situation hat emotionale Erfahrungen zur Folge, die sehr eindrücklich sind. Man sagt, der Patient kann eine „emotional korrigierende Erfahrung“ machen. Dies ist wohl der eigentlich therapeutische Faktor.

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Ist die Ausbildung auch als Vollzeitausbildung in 3 Jahren möglich?

Nein. Eine psychoanalytische Ausbildung umfasst vor allem eine gründliche Selbsterfahrung, die Lehranalyse Sich selbst in einem Umfang kennen zu lernen, der es erlaubt, sich möglichst ohne eigene Wahrnehmungsverzerrungen auf einen anderen Menschen einlassen zu können, ist nicht in einer Art „Kurs“ möglich. Es erfordert Zeit. Außerdem ist das theoretische Wissen sehr umfangreich und erfordert ein gründliches Studium.

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Wie verstehen Sie es, dass Psychoanalyse als Ausbildung nicht so oft gewählt wird von den Studenten wie VT?

Das hat mehrere Gründe, über die z.T. nur spekuliert werden kann. Ein vordergründiges Motiv ist wohl oft das Argument der Kosten. Es wird behauptet, die analytische Ausbildung sei unvergleichlich teurer als die zum Verhaltenstherapeuten. Das ist so nicht richtig. Im Gegensatz zu der Ausbildung in VT fangen Ausbildungsteilnehmer nach der Zwischenprüfung mit der Patientenbehandlung unter Supervision an. Die Einnahmen daraus werden nicht, wie an VT-Instituten oft üblich, zum größten Teil an das Institut weiter gegeben; die Ausbildungsteilnehmer behalten es, bis auf einen geringen Verwaltungsaufwand. Der größte Teil der Ausbildung ist also nach der Zwischenprüfung aus den eigenen Einnahmen finanzierbar.

Ein weiterer Grund, der vielleicht mit dem ersten verbunden ist, mag die längere Ausbildungszeit sein. Wie schon erwähnt, braucht die Selbsterfahrung Zeit, abgesehen von dem doch enormen theoretischen Wissenskorpus.

Der Hauptgrund wird aber vielleicht etwas tiefer liegen. Es ist nicht jedermanns Sache, sich über einen langen Zeitraum und intensiv in eine Beziehung mit einem Patienten einzulassen, die viel emotionales Mitschwingen und Engagement erfordert. Dann sieht es oft so aus, als führe die VT schneller und weniger emotional belastend zu einem zufriedenstellenden Ergebnis. Opens external link in new windowStudien haben inzwischen gezeigt, dass die psychoanalytisch begründeten Verfahren zu einem länger anhaltenden Therapieergebnis führen. M.a.W., die „Rückfallgefahr“ wird wesentlich gesenkt.

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Ist es nicht so, dass man als Analytiker gar nicht mehr so viele Gefühle hat, dass z.B. die Patienten einen gar nicht mehr wütend machen?

Im Gegenteil. Wenn man sich wirklich einem Patienten öffnet, kann man gar nicht umhin, Gefühle zu entwickeln. Das können durchaus auch libidinöse sein, nicht nur aversive. Beides ist möglich und notwendig, weil Gefühle das Instrument sind, mit dem Analytiker sich durch den Dschungel des unbewussten Labyrinths bewegen. Die Abstinenzregel, d.h. das Gebot seinen Gefühlen nicht zu erliegen, sondern sie im Dienste des Prozesses zu analysierern, ist dann sozusagen der "Zaun", innerhalb dessen die intensiven Gefühle gehütet werden müssen. Das macht den Beruf des Analytikers oft anstrengend.

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Erzählen Sie mal was von Ihren Schwierigkeiten mit Patienten.

Darauf wird jeder Analytiker wahrscheinlich eine andere Antwort haben. Für viele ist es in der Regel sehr frustrierend, wenn man einen Patienten einfach nicht versteht. Es kann durchaus vorkommen, dass man das Gefühl bekommt, nicht wirklich erfasst zu haben, was der andere im tiefsten meint und vermitteln will. Das ist dann besonders schrecklich, wenn man weiß, dass es dem Analysanden sehr wichtig ist, seinem Analytiker etwas nahe zu bringen, das er selbst noch nicht wirklich erkannt hat und deshalb auch nicht in Worte fassen kann. Beide ringen dann sehr um Klarheit.

Oder es kommt vor, dass Analysanden sich sehr aufregen über den Analytiker, weil sie sich - und das gilt besonders dann, wenn das Übertragungsgeschehen sehr heftig ist - unverstanden, verlassen, gekränkt usw. fühlen. Dann greifen sie den Analytiker in der Wut heftig an. Das kann sehr unangenehm sein, und es dauert einige Zeit, bis beide wieder in ruhigeres Fahrwasser geraten. Solche Kämpfe fördern aber meistens etwas zu Tage, das hilfreich für die weitere Entwicklung ist.

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Mir wurde nach Auswertung eines Persönlichkeitsfragebogens gesagt, ich wäre zu emotional und könnte mich zu wenig abgrenzen. Deshalb sollte ich eher ein VT-Ausbildung machen. Was meinen Sie dazu?

Ein Psychoanalytiker würde sich fragen, was mit „zu emotional“ gemeint ist. Wie oben beschrieben, ist Emotionalität ja geradezu eine Voraussetzung für diesen Beruf. Ein Problem könnte sein, dass intensive Gefühle gemeinhin dazu veranlassen, sie zu „agieren“, wie wir sagen: einen Wutimpuls in die Tat umzusetzen oder einem Liebesimpuls nachzugeben. Man müsste sich also darum kümmern, wie es mit dem „Gefühlshaushalt“ aussieht und wo es Schwierigkeiten damit gibt. Dann wäre zu überlegen, ob eine evtl. vorhandene Schwierigkeit sich in der Lehranalyse, die unabdingbarer Bestandteil der Ausbildung zum Psychoanalytiker ist, bearbeiten lässt. Aber Emotionalität an sich ist kein Hinderungsgrund für die Ausbildung, sondern eher eine Voraussetzung.

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Ist Deutschland dominiert von den Kleinianern aus England? Wo wird die Selbstpsychologie gelehrt?

Hier liegt vielleicht eine Verwechslung vor. Seit Freud hat sich natürlich – wie in anderen wissenschaftlichen Bereichen auch – viel getan. Der Gedankenrichtung von Melanie Klein kommt dabei eine große Rolle zu, da sie vor allem in England eine große Anhängerschaft gewonnen hat. Da nach dem 2. Weltkrieg Deutschland seiner Analytiker größtenteils beraubt war, wandten sich die ersten deutschen Psychoanalytiker nach England, um Erfahrungen zu machen und sich ausbilden zu lassen. Daher ist es sicherlich richtig, dass es eine große Gruppe von „Kleinianern“ in Deutschland gibt. Daneben gibt es aber auch eher „orthodoxe Freudianer“, „Jungianer“, „Adlerianer“ „Kohutianer“ oder „Lacanianer“, die ihre eigenen Institute unterhalten.

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Was ist der Unterschied zwischen TfP, analytischer Psychotherapie und Psychoanalyse?

Über diese Frage, die ja schon weiter oben angerissen wurde, gibt es heftige Diskussionen. Sicher ist, dass TfP einen sehr umschriebenen Bereich bearbeitet, einen „Fokus“ in der Problemlage eines Menschen. Sie ist daher im Umfang auch deutlich begrenzt. Am anderen Ende des Spektrums liegt die Psychoanalyse, die ungleich umfassender ist und allen Strebungen des Patienten Raum gibt. Vielleicht kann man sagen, dass die Analytische Psychotherapie etwa in der Mitte zwischen beiden liegt. Sie ist offener für unbewusstes Material als die TfP, jedoch dirigierender als die Psychoanalyse. Der Hauptunterschied liegt in dem Begriff „Therapie“: Psychoanalyse ist im Grunde ziellos, d.h., sie hat kein bestimmtes Ziel im Hinblick auf eine spezielle Symptomatik, selbst wenn sie auf Grund dieser Symptomatik in Anspruch genommen wird. Die „Heilung“ vollzieht sich quasi nebenbei. In dieser (scheinbaren) Ziellosigkeit liegt begründet, warum die Krankenversicherungen nur analytische Psychotherapie, nicht aber Psychoanalysen bezahlen.

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Lernt man TfP auch, wenn man die analytische Ausbildung macht?

Ja. Abgesehen davon, dass das Psychotherapeutengesetz die Ausbildung in den einzelnen Fachrichtungen regelt, hat die Ausbildung in Psychoanalyse schon immer auch die Ausbildung in den sog. „angewandten“ Verfahren, also analytische Psychotherapie und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie eingeschlossen. Gerade letztere ist, wie erwähnt, ein sehr intensives Verfahren, für das man eine gute Ausbildung und Selbsterfahrung benötigt.

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Interpretiert man nicht etwas in den Patienten hinein, was gar nicht da ist?

Diese Frage zielt direkt auf die Notwendigkeit ab, dass der Psychoanalytiker sich in seiner Ausbildung einer Lehranalyse unterziehen muss. Im täglichen Leben passiert es immer wieder leicht, dass wir im Anderen etwas wahrzunehmen glauben, was in Wirklichkeit gar nicht da ist. Der Analytiker spricht dann von „Projektion“ oder „Übertragung“. Diese beiden Phänomene – gerade weil sie unweigerlich passieren – macht sich die Psychoanalyse in ihrer Methode zu Nutze: Der Patient „projiziert“ auf den Analytiker Reaktionen, die ihm auf Grund seiner Geschichte Schwierigkeiten machen – ganz wie im Alltagsleben. Man könnte etwas vereinfacht sagen, man „verwechselt“ den anderen mit einer Figur aus seiner Vergangenheit. Es liegt auf der Hand, dass dem Analytiker das natürlich nicht passieren sollte. Deshalb muss er in einer Lehranalyse seine „blinden Flecken“ möglichst gut aufarbeiten, um genauer zwischen sich und seinem Patienten unterscheiden zu können.

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Ist die Gefahr der Abhängigkeit bei der Psychoanalyse nicht besonders groß?

Bei allen intensiven Beziehungen spielt Abhängigkeit eine Rolle. Wenn eine Beziehung uns wirklich ergreift, sind wir in gewisser Weise „abhängig“. Das ist aber auch notwendig, um sich mit dem anderen intim austauschen zu können. Da der Analysand im Zuge der Übertragung und der Regression infantile Muster wiederholt, kommen auch frühe Wünsche und Sehnsüchte zum Tragen. Dies eröffnet gerade den Weg zu den Bereichen, die in der individuellen Geschichte problematisch waren und somit aufgearbeitet werden sollten. „Abhängigkeit“ ist in diesem Sinne keine Gefahr, sondern wird gesucht. Aber sie wird nicht um ihrer selbst willen gesucht, etwa, wie vielleicht phantasiert werden könnte, um den Analysanden zu einem willenlosen abhängigen Sklaven des Analytikers zu machen; sondern sie soll dabei helfen, die Interaktionen zwischen beiden zu ermöglichen, an denen gearbeitet werden kann.

Vor allem: je weiter die Behandlung fortschreitet, je mehr der Analysand sich entwickelt, desto mehr nimmt die Abhängigkeit in der Regel ab, weil sie nicht mehr notwendig ist. Es kommt vor, dass Analysanden sich aus dieser Abhängigkeit nicht heraus bewegen möchten. Schließlich kann es auch angenehm sein, wenn jemand Anderer scheinbar die Verantwortung übernimmt. Der Analytiker würde dies aber als eine Abwehr gegen die Übernahme von Eigenverantwortung verstehen – was auch ein neurotisches Problem ist und bearbeitet werden muss.

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Was passiert genau in der therapeutischen Beziehung; wie kommt das, dass der Patient mit dem Therapeuten alte Situationen wiederholt?

Diese Frage ist sehr komplex. Etwas vereinfacht gesagt, brennen sich besonders die Interaktionen mit frühen Bezugspersonen, die problematisch waren, in unser Gehirn ein. Da wir sie nicht lösen konnten, tendiert unser psychisches System dahin, immer wieder nach Lösungen zu suchen. Weil die genauen Details der Situationen aber verdrängt wurden, eben weil sie so unangenehm waren, beherrschen vor allem die Affekte, die dabei eine Rolle gespielt haben, unser Verhalten: Wir erinnern uns nicht genau inhaltlich, verhalten uns aber in einem bestimmten Muster. Ein amerikanischer Analytiker, Arnold H. Modell, hat das in seinem Buch „Other times, other realities“ sehr gut beschrieben. Dort findet sich auch ein neurowissenschaftlicher Erklärungsansatz.

So kommt es dann z.B. vor, dass wir einen Vorgesetzten ablehnen, weil er uns – unbewusst – an eine sehr unangenehme Seite unseres Vaters erinnert, mit der wir nie klar gekommen sind. Erst durch die Aufdeckung des innerpsychischen Zusammenhangs innerhalb der psychoanalytischen Kur können wir uns aus solch einem - neurotisch verzerrten – Verhalten lösen. Die Psychoanalyse spricht hier von einem „Wiederholungszwang“. Wichtig ist dabei, wie schon oben erwähnt, dass das nicht allein eine Frage der Einsicht ist. Analysand und Analytiker müssen solche Situationen innerhalb des Settings erleben, hautnah und mit den begleitenden Emotionen, um sich wirklich befreien zu können. Ein theoretisches Wissen um diese Zusammenhänge nützt gar nichts.

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Woher weiß man, dass man dem Patienten helfen kann / hilft?

Auch das ist nicht einfach zu beantworten. Zum einen entwickelt sich in den erwähnten Vorgesprächen (probatorische Sitzungen) bei beiden Partnern ein Gefühl dafür, ob man miteinander sprechen kann, ob es eine grundlegende Sympathie gibt. Das alleine reicht natürlich nicht. Man fragt sich als Analytiker z.B., wie reagiert der Analysand auf Probedeutungen? Kann er mit dem, was ich ihm sage, etwas anfangen? Ist es hilfreich für ihn, was ich ihm sage, was ich denke, verstanden zu haben? Kann er es weiter entwickeln? Kann er mir neue Einfälle bringen, neue Ideen und Gedanken, die mir wiederum helfen, hilfreich für ihn zu sein? Man sieht daran, in welch hohem Maße Psychoanalyse ein gegenseitiges Geschehen ist. Zum anderen ist es aber sicherlich auch die Erfahrung, die einem über die Jahre ein Gefühl dafür gibt, ob man mit einem Menschen psychoanalytisch arbeiten kann.

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Kommt es vor, dass man mit jemandem arbeitet und nach zwei Jahren merkt, dass man es nicht miteinander kann? Was macht man dann?

Ja, das kommt vor – wenn auch selten. Stellt man als Analytiker fest, dass sich die Situation mit einem Analysanden zunehmend schwierig gestaltet, wird man sich sicherlich Rat bei Kollegen holen – ohnehin ein wichtiges Instrument für Analytiker: die gegenseitige Konsultation, auch Supervision oder Intervision genannt. Wenn aber alles Bemühen nicht hilft, wird man mit dem Analysanden die Situation besprechen müssen, was sicherlich nicht leicht ist. Doch auch der Analysand hat ja ein Gefühl entwickelt, dass es nicht so gut läuft, wie er gehofft hat. Dabei ist es sicherlich sehr wichtig, Krisen in der Behandlung, die unvermeidlich auftauchen und sich oft in einem Widerstand gegen die Behandlung ausdrücken, von einer wirklichen „Inkompatibilität“ zu unterscheiden. Kommt man also nach gründlicher Prüfung zu dem Schluss, dass eine weitere Zusammenarbeit nicht sinnvoll ist, wird man sich trennen müssen.

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Kann man schon nach dem 1. Gespräch (solche) Thesen über einen Patienten aufstellen oder sind das Vermutungen?

Das Ziel der Vorgespräche ist genau das: Thesen darüber zu entwickeln, was wahrscheinlich das zentrale Problem des Analysanden ist und welche Konzepte zur Behandlung sich daraus ergeben. Das „Erstinterview“ ist ein hochkomplexes Geschehen und erlaubt gerade in seinen szenischen Aspekten, d.h. in den Momenten, die der Inszenierung eines innerpsychischen Vorganges gleichkommen, Rückschlüsse auf die innere Lage des Analysanden.

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Schreiben Sie mit in der Stunde? Wie geht die Dokumentation?

Das handhabt jeder Analytiker unterschiedlich. Dokumentiert werden muss – laut Opens external link in new windowPsychotherapeutengesetz (PTG) - immer. In der Regel geschieht das in Stichworten nach der Sitzung oder am Abend, und auch das in unterschiedlich umfassender Form. Für sich selbst notieren manche Analytiker ausführlicher, wenn es eine bedeutsame Veränderung im Prozess gegeben hat, manchmal während der Sitzung, manchmal danach. Im Allgemeinen machen die wenigsten Analytiker während der Sitzung Notizen, da es sie leicht von dem Geschehen in der Stunde ablenkt.

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Geht man in der Analyse gar nicht systematisch vor? Abhaken bestimmter Fragenkomplexe?

Aus den bisherigen Antworten dürfte deutlich geworden sein, dass sich das Geschehen zwischen Analytiker und Analysand entfalten muss. Es geht um unbewusste Inhalte, die sich eben nur indirekt („Abkömmlinge“) erschließen lassen. Ein „Fragenkomplex“ wäre nicht nur sinnlos – der Analysand „weiß nicht“, was mit ihm los ist, es ist ihm „nicht bewusst“ – sondern auch kontraproduktiv. Es würde seine Einfälle in eine bestimmte Richtung lenken und dadurch möglicher Weise von dem weg, was eigentlich Gegenstand der Untersuchung sein sollte: eben nicht bewusste Inhalte.

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Wieso finden Sie es nicht normal, wenn ein Patient seine Emotionen verbirgt und schließen dann daraus auf eine Mutter-Übertragung?

Diese Frage bezieht sich auf eine bestimmte Konstellation. Natürlich ist es in gewisser Weise „normal“, wenn man seine Gefühle nicht direkt einem Fremden offenbart. Wenn sich über die Zeit aber immer wieder zeigt, dass der Analysand es schwer hat, sich dem Analytiker anzuvertrauen, wird man überlegen, ob es z.B. nicht daran liegen kann, dass der Analysand nie die Gelegenheit hatte, ein wirklich vertrauensvolles Verhältnis zu seiner Mutter oder seinem Vater, d.h. zu seinen „Primärobjekten“, zu entwickeln. Diese Schwierigkeit wird sich in der Behandlung wiederholen: Es bildet sich die entsprechende „Übertragung“. Der Analysand befürchtet, mit seinem Analytiker die gleichen schlechten Erfahrungen zu machen, wie z.B. mit seiner Mutter. Das soll nicht heißen, dass jedes mangelnde Vertrauen einen solchen Hintergrund hat. Es ist aber ein Beispiel für die Entstehung einer spezifischen Übertragung.

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Prozeß der Hypothesenbildung (Verifizierung / Falsifizierung): Eine frühe Hypothesenbildung ergibt vielleicht kein komplettes Bild. Ist die Psychoanalyse vielleicht zu intuitiv?

Wie schon erwähnt, dienen die ersten Sitzungen dazu, sich einen Überblick darüber zu verschaffen, worum es bei dem jeweiligen Patienten geht. „Intuition“ hat sicherlich etwas damit zu tun. Wir sprechen auch von „Empathie“, der Fähigkeit, sich in jemand anderen einzufühlen. Diese menschliche Eigenschaft hilft dabei, gefühlsmäßig nach zu vollziehen, was im anderen vor sich geht. Dies ist aber nur der erste Schritt. Ein Analytiker wird sich dann fragen, was bedeutet es, dass der Patient in der Begegnung mit mir dies oder jenes fühlt, erlebt, denkt? Was sagt das über die Situation zwischen uns aus? Was für Rückschlüsse erlaubt es über die emotionale Entwicklungsgeschichte dieses Patienten? Diese Art Überlegungen helfen dabei, eine Vermutung, eine Hypothese zu formulieren: eine Deutung zu geben. Die Art und Weise, wie der Analysand auf diese Deutung reagiert, sagt etwas über die Validität der Deutung aus. Dabei kann es durchaus auch eine heftige Ablehnung sein, die darauf hinweist, dass der Analytiker etwas getroffen hat, was den Patienten sehr bewegt. In aller Regel aber wird eine zutreffende Deutung den Patienten erleichtern, da er dadurch etwas über sich versteht und u.U. eine Erklärung an die Hand bekommt, warum er in dieser seiner spezifischen Weise leidet: Etwas, das unbewusst war, wird bewusst. Der Patient „weiß“ plötzlich, wie es war/ist. Die zutreffende Deutung hat aber noch einen anderen Effekt, der wahrscheinlich viel bedeutsamer ist: Der Analysand fühlt sich auf eine sehr umfassende Weise verstanden. Dieses Erleben, dass jemand anderes das eigene Innenleben wirklich verstanden hat, ist eine sehr bewegende menschliche Erfahrung, die in gewisser Weise „heilsam“ ist. Wenn eine Deutung nicht zutrifft, wird sich auch nichts wirklich verändern. M.a.W., die Verifikation von Hypothesen erfolgt über die erfolgreiche oder erfolglose Deutungsarbeit.

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Wann setzt die Reflektion der Gegenübertragung ein? Von Anfang an oder später?

Es wurde weiter oben schon die „gleichschwebende Aufmerksamkeit“ des Psychoanalytikers erwähnt, d.h. sein Bemühen, sich seinen inneren gefühlsmäßigen Bewegungen und seine Einfällen zu überlassen, die er im Umgang mit dem Analysanden in der jeweiligen Situation erlebt. Dabei bleibt er jedoch nicht stehen. Er wird sich immer wieder fragen, was diese Bewegungen in ihm bedeuten, hier und jetzt im Zusammensein mit seinem Patienten. Die Reflektion über diese ganze Konstellation von Reaktionen, die „Gegenübertragung“, findet also mehr oder weniger ständig statt. Sie ist das Instrument, mit dem der Analytiker arbeitet – deshalb ist die Selbsterfahrung in der Lehranalyse so wichtig.

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Was könnte es bedeuten, wenn ein Patient mir plötzlich unsympathisch wird?

Diese Frage lässt sich natürlich nicht pauschal beantworten. Es könnte aber z.B. bedeuten, dass der Patient testen möchte, ob ich als Analytiker bereit bin, mich ihm auch noch dann zu zuwenden, wenn er nicht mehr der „brave“ Analysand ist. Es könnte bedeuten, dass der Patient aus einer Haltung herauskommt, die er glaubte, einnehmen zu müssen, um mich nicht zu verärgern. In jedem Falle bedeutet es eine Veränderung in der Beziehung zwischen Analysand und Analytiker, die als solche beachtenswert ist und untersucht werden muss.

Kategorie: FAQ Psychoanalyse
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„Manöver“, „Methode“ des Patienten, das klingt wie Unterstellung. Ich wäre verletzt. Sie basteln da sicher was Konstruktives draus, aber ich kann's mir nicht vorstellen.

Diese Wortwahl hat sicherlich ein verletzendes Moment – als verfolge der Patient etwas Unerlaubtes, als wolle er den Analytiker z.B. manipulieren. Die Alltagserfahrung lehrt uns aber, dass wir alle in der Tat bestimmte Strategien verfolgen, um ans Ziel unserer Wünsche zu kommen. Das ist normal. Im Falle der unbewussten Wünsche und Motive gilt das in einem noch stärkeren Maße. Dies deshalb, weil wir uns mancher Impulse schämen und sie vor uns selbst gerne verstecken oder verharmlosen möchten. Das Unbewusste entwickelt dann in der Tat „Manöver“, mit denen es doch noch ein Ziel erreichen kann, das ein anderer Teil im Patienten verurteilt. Man kann hieran z.B. sehen, welche „Manöver“ das „Es“ entwickelt, um am „Über-Ich“ vorbei zu kommen. Da diese „Manöver“ aber nicht im luftleeren Raum stattfinden, sondern innerhalb einer Beziehung zwischen Analytiker und Analysand, kann man diese Begriffe durchaus verwenden. Sie bezeichnen eine psychische Wahrheit.

Kategorie: FAQ Psychoanalyse
Ansprechpartner: Dr. med. Klaus Röckerath
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Bearbeiten Sie das (eine Deutung) sprachlich und emotional weiter, bevor Sie es dem Patienten zurückgeben?

Da sich Psychoanalyse, wie jede „sprachgestützte“ Therapie, über den Austausch von psychischen Inhalten mittels Sprache vollzieht, kommt der richtigen Wortwahl eine große Bedeutung zu. Als Analytiker muss man die „Sprache“ des Patienten erfassen können, ein Gefühl dafür entwickeln, was ich ihm mit welchen Worten sagen kann. Das bezieht sich sowohl auf die Wortwahl als auch auf den Inhalt. Ich muss mich immer fragen, kann er das verstehen, ist die Sprache angemessen und kann er das, was ich ihm sagen will, zum jetzigen Zeitpunkt schon vertragen? M.a.W., es bedarf auch in hohem Maße eines „Taktgefühls“, was ich in welcher Weise formuliere.

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Was macht man, wenn der Patient Deutungen zurückweist? Denkt man dann, der lügt, oder hat das nur noch nicht für sich klar, oder kann der Analytiker seine Deutung noch mal überdenken? Wieso ist das Konzept von Widerstand noch existent?

Diese wichtige Frage ist in anderer Form schon angeklungen. Es ist dem psychoanalytischen Prozess implizit, dass er sich gegen einen „Widerstand“ entwickelt. Verdrängtes wurde verdrängt, weil es unangenehm, schmerzhaft, unerträglich war. Damit möchte niemand gerne und freiwillig konfrontiert werden. Doch haben, wie schon erwähnt, verdrängte Inhalte die Angewohnheit, keine Ruhe zu geben. Sie machen sich störend, u.U. dramatisch, im täglichen Leben bemerkbar und lassen den Menschen leiden. Dieser „Leidensdruck“ führt ihn in die Therapie. Werden nun im Laufe des therapeutischen Prozesses diese verdrängten Inhalte lebendiger, wird der Patient sich natürlich zunächst dagegen wehren, weil er befürchtet, in noch größere Leiden zu kommen, als er ohnehin schon hat. Er versteht anfangs nicht, dass dies der einzige Weg ist, sich daraus zu befreien. Den Analytiker stellt das vor die Aufgabe, jeweils genau zu untersuchen: Entwickelt der Patient einen Widerstand, weil ich auf der richtigen Spur bin, oder habe ich eine falsche Vermutung? Letztlich „weiß“ ja nur der Patient, ob ich als Analytiker Recht habe. Diese Auseinandersetzungen können sehr heftig und emotional anstrengend für beide sein. Am Ende wird aber die Erleichterung des Patienten zeigen, ob sein Analytiker „richtig“ gelegen hat.

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Ist eine Verbindung von VT und PsA möglich?

Diese Frage rührt an eine grundsätzliche Frage: Kann in eine psychoanalytische Behandlung auch ein „methodenfremdes“ Element einfließen? Darüber gehen die Meinungen auseinander. So wird z.B. die Frage nach gleichzeitiger medikamentöser Behandlung unterschiedlich gesehen. Die einen sind der Meinung, dass eine medikamentöse Linderung z.B. von Angstzuständen den psychotherapeutischen Zugang erleichtern kann; andere sehen darin eher eine Vermeidung der Schwierigkeiten in der Behandlung. In Bezug auf die Verhaltenstherapie ist dieses Problem vielleicht noch brisanter. Die Verhaltenstherapeutische Methode geht vor allem von der Vorstellung aus, das Verhalten „erlernt“ wird. „Falsch erlerntes“ Verhalten soll dann in einem Behandlungsprozess „neu“ bzw. „anders“ erlernt werden. Diese Darstellung ist natürlich sehr reduziert. Sie zielt aber auf einen wesentlichen Punkt ab: Auch die Psychoanalyse geht davon aus, dass bestimmte Verhaltensmuster „erlernt“ werden. Der psychische Organismus adaptiert sich an die jeweiligen Gegebenheiten mit all den Abwehrbewegungen, die wir kennen. Allerdings nimmt die Psychoanalyse an, dass dieser „Lernprozess“ individuell unterschiedlich kreativ ist. M.a.W., Verhalten ist nicht einheitlich, sondern weist, bei allen Ähnlichkeiten, individuelle Unterschiede auf – eben die kreativen Lösungen des Einzelnen. Wenn Psychoanalyse die Individualität des Einzelnen fördern und hervorbringen soll, ist es in diesem Sinne wohl weniger hilfreich, verhaltenstherapeutische Maßnahmen anzuwenden, die eine Symptomatik zum Verschwinden bringen sollen, auf ein „Umlernen“ abzielen. Die Psychoanalyse geht davon aus, dass ein bestimmtes Verhalten angenommen wird, um sich an eine Situation anzupassen. Daraus entwickeln sich Wahrnehmungsverzerrungen, die sich im Wiederholungszwang äußern. Werden die Wahrnehmungsverzerrungen – Projektionen – aufgehoben, verschwindet auch das Verhalten: Es ist nicht mehr nötig.

Aus diesem grundsätzlichen Unterschied ergibt sich, dass eine solche Kombination nicht sinnvoll ist.

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Wenn man ein Verhaltensmuster entdeckt hat, überweist man dann an den VT-ler?

Diese Frage ist mit der vorigen eigentlich schon beantwortet. „Verhaltensmuster“ finden sich überall. Man kann sich nicht „nicht verhalten“. Insofern sind Verhaltensweisen des Patienten immer auch Aussagen über innere Vorgänge im Analysanden. Sie sind ein wertvoller Bestandteil jedes therapeutischen Prozesses und gehören genau so dazu wie die Sprache.

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Welche Einstellung haben Sie zu Suggestivfragen? Z.B. bei einem Trauma-Patienten: „Ich habe das Gefühl, dass Sie vergewaltigt worden sind.“

Es ist a.a.O. schon erwähnt worden, dass die Psychoanalyse sich aus der hypnotischen Therapie entwickelt hat. Freuds große Erkenntnis war, dass die unbewussten Motive die eigentlich krankmachenden sind, und dass die Methode der „freien Assoziation“ den Raum des Unbewussten eröffnen konnte. „Suggestion“ ist in diesem Sinne kontraproduktiv, da es diesen Raum einengt und ihm etwas über zu stülpen versucht, das von mir und nicht vom Patienten kommt. Trotzdem kann es angebracht sein, eine Vermutung zu äußern, wenn hinreichende Verdachtsmomente vorliegen, dass ein traumatisches Ereignis vorgelegen haben könnte. Dies kann den Patienten dazu anregen, nachzuforschen. Es kommt vor, dass in Psychoanalysen dann Umstände offenbar werden, die in der Familie des Patienten „totgeschwiegen“ wurden: „Familiengeheimnisse“ kommen ans Licht. Dies geschieht aber in der Regel auch ohne dass der Analytiker eine Vermutung äußert, denn der Analysand zieht seine eigenen Schlüsse, sobald er „mehr sieht“, d.h., weniger verdrängen muss. Natürlich muss man in höchstem Maße vorsichtig mit Vermutungen umgehen, da der Analysand auf Grund der regressiven Prozesse sehr empfänglich dafür sein kann.

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Steht bei der Psychoanalyse die subjektive Sicht des Analytikers nicht im Vordergrund?

Es ist schon auf die Wichtigkeit der Lehranalyse in der psychoanalytischen Ausbildung hingewiesen worden. Sie ist so wichtig, weil der Psychoanalytiker in der Behandlung mit seinen Gefühlen und Gedanken arbeitet. Insofern kann man sagen, das „Subjekt“ Psychoanalytiker ist das zentrale Element der Behandlung. Das ist es aber nur insofern, als der Analytiker über die Auseinandersetzung mit seinen Reaktionen Rückschlüsse auf das Erleben und die Konflikte im Patienten ziehen kann. Es geht um die Erkenntnis dieses seelischen Geschehens, das im Vordergrund steht, nicht um die Sichtweise des Analytikers. Im Gegenteil liegt das Ziel jeder psychoanalytischen Behandlung in der Befreiung des Patienten aus Einschränkungen, die von unbewussten und Leiden schaffenden Inhalten stammen.

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Wie effektiv ist die Psychoanalyse? Gibt es Wirksamkeitsstudien?

Es hat lange gedauert, bis die Psychoanalyse erkannt hat, dass sie sich nicht auf den individuellen Erfolgserlebnissen der Analytiker ausruhen kann, sondern sich dem Vergleich mit anderen Behandlungsmethoden stellen muss. Dies ist in den späten neunziger Jahren durch eine umfangreiche Katamnesestudie erfolgt, die sehr sorgfältig belegt hat, wie effektiv die psychoanalytische Methode in der nachhaltigen Behandlung von seelischen Störungen ist. Einzelheiten dazu können hier gefunden werden:

www.dpv-psa.de/wissenschaft/katamnesestudie/

www.psychoanalyse-basel.ch/texte/dpv_broschuere_schweiz.htm

An dieser Stelle seien nur einige ausgewählte Ergebnisse genannt:

- Über 70 % der Patienten sind mit der Behandlung zufrieden und stellen eine Besserung ihres Befindens fest, die auch 6 Jahre nach Beendigung der Behandlung noch stabil ist.

- Über 70 % berichten eine Besserung bei der Bewältigung von Lebensereignissen, eine Besserung des Selbstwertgefühls, der Stimmung, der Lebenszufriedenheit und Leistungsfähigkeit.

- Während und nach der Behandlung fand eine deutliche Reduktion von ambulanten Arztkontakten, Krankschreibungen, Krankenhaustagen und Medikamentenverbrauch statt, die auch 6 Jahre nach der Behandlung noch stabil war.

- Bei den Untersuchten handelte es sich um überdurchschnittlich schwer gestörte und traumatisierte Patienten (narzisstische und Borderline-Persönlichkeitsstörungen, Psychosen, schwere multiple Störungen, Depressionen, Zwangspatienten und Charakterstörungen).

Gerade die letzte Aufzählung zeigt, wie breit das Behandlungsspektrum der Psychoanalyse geworden ist.

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Was kostet die Ausbildung?

Darüber gibt es die aktuelle Broschüre der DPV zur Ausbildung Auskunft, die Sie Opens external link in new windowhier als PDF Datei herunterladen können.

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Befindet sich die VT und PsA nicht in Ärztehand?

Gerade an den Hochschulen sind die psychologischen Lehrstühle von VT-lern besetzt. Mediziner haben oft eine Zusatzausbildung in tiefenpsychologische fundierter Psychotherapie.

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Maximalalter für die Zulassung / Mindestalter

Die Altersbeschränkungen ergeben sich aus den Voraussetzungen für die analytische Ausbildung. Ein Hochschulstudium wird in der Regel nicht vor dem 25. Lebensjahr abgeschlossen. Eine obere Altersgrenze gibt es nicht. Aber auch hier wird man sich im Einzelfall überlegen, ob es sinnvoll ist, in fortgeschrittenem Alter noch eine so aufwändige Ausbildung zu beginnen.

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Wie kann man die Ausbildung schaffen?

Die schwierige Strecke in der Ausbildung ist die Zeit vor der Zwischenprüfung, d.h. bis zum Beginn der praktischen Ausbildung. Sie umfasst etwa 1 ½ Jahre. Da die Ausbildung berufsbegleitend ist, wird man sich u.U. etwas einschränken müssen, um die Kosten der Lehranalyse (zwischen € 70,00 – 80,00 pro Sitzung) aufbringen zu können. Sobald man mit der Behandlung von Patienten beginnt, verdient man jedoch, so dass die Kosten aufgefangen werden. Es ist darüber hinaus leicht vorstellbar, dass der emotionale Aufwand erheblich sein kann. Analytische Erfahrungen, egal ob als Patient oder als Ausbildungsteilnehmer, greifen in das Leben ein. Man kann nicht leugnen, dass die Lehranalyse den Analysanden verändert – aber das ist das Ziel von Psychoanalyse: psychische Veränderung.

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Dauer der Ausbildung, Praktikum

In der DPV dauert die Ausbildung von der Zulassung bis zum Abschlusskolloquium etwa 7 Jahre. Das Psychotherapeutengesetz geht von einer berufsbegleitenden Ausbildung von fünf Jahren aus. Ausgebildet wird in analytischer Psychotherapie, tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie bzw. der Kombination beider Verfahren. Gegenstand der Ausbildung bis zur Zwischenprüfung ist auch ein Praktikum an einer psychiatrischen bzw. psychosomatischen Klinik, das insgesamt 1200 Stunden umfassen muss. Dies wird an den einzelnen Kliniken unterschiedlich gehandhabt. Die Ausbildungsinstitute müssen mit den Kliniken sog. Kooperationsverträge abschließen, um den Ausbildungsteilnehmern entsprechende Praktikumsplätze vermitteln zu können.

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Wie sieht die Ausbildung konkret aus?

Auch hier sei auf die Broschüre der DPV verwiesen. In Kurzform kann man sich die Ausbildung so vorstellen:

Nach der Zulassung zur Ausbildung, die nach drei Bewerbungsinterviews erfolgt, beginnt die Lehranalyse als zentraler Bestandteil der gesamten Ausbildung. Sie wird nicht von den Krankenkassen bzw. -versicherungen übernommen, sondern aus Eigenmitteln finanziert und begleitet in der Regel die gesamte Ausbildung. In der Ausbildung zum DPV Analytiker umfasst sie mindestens vier Wochenstunden, in der Ausbildung zum analytischen Psychotherapeuten mindestens drei. Für die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ist eine Frequenz von mindestens einer Wochenstunde vorgesehen. Aus dem bisher gesagten geht aber hervor, dass es sinnvoller wäre, auch hier eine höhere Frequenz der Selbsterfahrung vorzugeben. Es handelt sich, wie gesagt, um eine schwierige therapeutische Behandlungsform.

In Absprache mit dem Lehranalytiker/Lehrtherapeuten beginnt der Ausbildungsteilnehmer dann mit den theoretischen Seminaren am Institut, die in der Regel an zwei Abenden in der Woche stattfinden. Bis zur Zwischenprüfung muss auch ein Praktikum an einer psychiatrischen/psychosomatischen Klinik absolviert werden, dass 1200 Stunden umfasst.

In der Zwischenprüfung (bzw. im äquivalenten Vorkolloquium in der DPV Ausbildung) soll der Kandidat zeigen, dass er ein Verständnis für unbewusste Prozesse gewonnen hat, das es ihm erlaubt, in die Behandlung von Patienten, d.h. in den praktischen Teil der Ausbildung, einzutreten. Die Anzahl der Ausbildungsfälle richtet sich nach den Ausbildungsrichtlinien der Fachkunde, die erworben werden soll. Einzelheiten dazu finden Sie hier. Alle Behandlungen müssen supervidiert werden.

Die Ausbildung endet mit der staatlichen Abschlussprüfung bzw. dem Kolloquium in der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung. Mit Abschluss der Ausbildung erhält der Ausbildungsteilnehmer die Approbation in der jeweiligen Fachkunde und damit die Möglichkeit, sich an der kassenärztlichen Versorgung zu beteiligen, sofern die jeweilige KV Sitze bereit hält. Das ist heute nicht immer der Fall.

Mit Abschluss des Kolloquiums nach den Ausbildungsrichtlinien der DPV wird man Mitglied in der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung und hat damit Zugang zu zahlreichen internationalen Verbänden, Tagungen und Konferenzen innerhalb der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung.

Für Absolventen der Ausbildung in analytischer Psychotherapie bzw. der kombinierten Ausbildung besteht an unserem Institut die Möglichkeit, ein „assoziiertes Mitglied“ zu werden. Dies umfasst nicht die Mitgliedschaft in der DPV und damit auch nicht den Anschluss an die Internationale Psychoanalytische Vereinigung.

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Wie ist das mit der Lehranalyse?

Die Lehranalyse bzw. Lehrtherapie ist der zentrale Bestandteil der Ausbildung zum Psychoanalytiker bzw. analytischen Psychotherapeuten. Auf die unterschiedliche Frequenz wurde bereits hingewiesen. Sie sollte, selbst wenn die Frequenz in den Verfahren unterschiedlich ist, möglichst hochfrequent sein, um einen intensiven Prozess in Gang zu setzen. An unserem Institut gibt es daher die Möglichkeit, unabhängig vom angestrebten Verfahren eine hochfrequente Selbsterfahrung zu beginnen. Die Wahl des Lehranalytikers bzw. Lehrtherapeuten ist frei. Zu beachten ist allerdings, dass in der DPV Ausbildung die Lehranalyse bei einem Lehranalytiker der DPV erfolgen muss. Wenn Sie also erwägen, vielleicht später zur DPV Ausbildung zu wechseln und z.B. mit einer Ausbildung in tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie beginnen, sollten Sie das bedenken. Es ist schwierig, aus einer einmal begonnenen Selbsterfahrung zu einem anderen Analytiker zu wechseln. Die Beziehungen sind eben sehr persönlich. In der Regel begleitet die Selbsterfahrung die gesamte Ausbildung. Dies ist deshalb der Fall, weil die Behandlung von Patienten regelmäßig innere Prozesse auslöst, die in der Selbsterfahrung – abgesehen von der Supervision – besprochen werden sollten. Die Behandlung von Patienten verändert auch den Analytiker.

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Gibt es ein Manual für PsA?

Diese Frage beantwortet sich aus dem bisher Gesagten von selbst: Psychoanalyse ist nicht nach einem „Leitfaden“ oder „Handbuch“ zu erlernen. Es ist eine Methode, die auf der persönlichen, individuellen Auseinandersetzung zwischen Patient und Analytiker basiert – und die ist immer individuell verschieden.

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Ist ein Beginn der PsA-Ausbildung schon während Studium möglich?

Bisher nicht. In wie weit die augenblicklichen Umstrukturierungen an den Hochschulen („Bologna Prozess“) hier Veränderungen mit sich bringen werden, ist unklar. Man kann allerdings nicht übersehen, dass eine gewisse Lebenserfahrung sinnvoll ist, wenn man sich einem so grundlegenden Prozess wie ihn die analytische Ausbildung darstellt, unterziehen will.

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Die Liste wird ständig ergänzt!